Ohne dass es mir suggeriert wurde, verließ ich kürzlich eine Besprechung mit dem Gefühl und etwas schlechten Gewissen, mich nie in praktischer Weise ehrenamtlich engagiert zu haben. Sondern immer nur finanziell. Was ausgenommen weniger Jahre, in denen ich Patenbriefe für Plan International übersetzte, auch stimmt. 1990 bis 2002 unterstützte ich Greenpeace mit monatlichen Beiträgen, dann einige Jahre Sea Shepherd, anschließend seit vielen Jahren Soko Tierschutz, während mein Mann für uns den Bund Naturschutz finanziell unterstützt.

Und auch wenn mir immer klar war, wieviel wir gemeinsam mit vielen anderen online, vor allen in Facebook Gruppen, bewegt haben. So habe ich dies nicht eine Sekunde als ehrenamtlichen Aufwand oder Arbeit gesehen. Das ist es aber, was es letztendlich war bzw. ist. Denn da draußen sind immer noch sehr viele Menschen die sich online in ihrer Freizeit die Finger wund schreiben und Interessierten sowie Hilfesuchenden Menschen mit Rat zur Seite zu stehen. Menschen die in der Regel nicht in der Zeitung stehen, die wenig Dank erhalten und die von vielen als selbstverständlich angesehen. Oftmals um dann persönlich angegangen zu werden.

All die zeitaufwändigen, meist bis spät in die Nacht gehenden, Diskussionen und oftmaligen Kämpfe mit Gartenbesitzern, die zwar einerseits etwas gegen das Insektensterben tun wollten, aber andererseits doch bitte auch Schneckenkorn und Pestizide nutzen wollten. Die dachten ein Schmetterlingsflieder würde ihren Garten zu einem Naturgarten machen und Thujenhecken sowie Lorbeerhecken zu unfassbar nutzvollen Gehölzen für Vögel erklärten. Oder empört die Gruppe wieder verließen, weil die Mitglieder anhand der geteilten bunten Fotos voller Neophyten (von um so weiter her, umso besser) nicht in kollektive Begeisterung ausbrachen.  

Oder auch zwar grundsätzlich bereit waren eine Vogelschutzhecke zu pflanzen aber doch bitte ohne Weißdorn (der hat Stacheln, wir haben Kleinkinder), Pfaffenhütchen (ist giftig, wir haben Kinder), Holunder (der wird zu groß), Eibe (ist giftig und wächst zu langsam), Kornelkirsche (wächst zu langsam) und so weiter und so fort. 

Vorschläge zu einem Stück Wildwiese wurden oft kategorisch abgelehnt. Wir haben Kinder, die brauchen Platz zum spielen. Das Trampolin, die Rutsche, der Sandkasten, das Plantschbecken. Teich nur mit Zaun, weil Kinder hineinfallen könnten und ein Zaun ist nicht schön. „Aber später mal, wenn sie größer sind. Ich hätte gerne Kois.“ (…….)

Wenn auch manche Einwände auf den ersten Blick berechtigt waren, so stellte sich am Ende doch oft die Frage, wie wir Menschen all die Jahrtausende überhaupt überlebten.

Einwände dass Kinder vielleicht weder Trampolin noch Rutsche im Garten bräuchten, wenn sie stattdessen auf Entdeckungsreise in dichteren Gebüschen, in der Wiese oder am Teich (unter Aufsicht!) gehen und ihrer eigenen Kreativität freien Lauf lassen könnten, stimmten vor allen in den ersten Jahren (ca. 2011 bis 2017) nur selten nachdenklich.

Der potentiell invasive Schmetterlingsflieder wurde in den Himmel gelobt, den invasiven Japan-Staudenknöterich fand man auch nett, Lupinen und Kanadische Goldrute sowieso, aber das heimische Jakobskreuzkraut sollte am liebsten ausgerottet werden.

Ich bin überzeugt, dass die Naturgartenbewegung, von der letztendlich auch so mancher Naturschutzverein profitiert, ohne Barbara Stockhaus, die vermutlich die erste Naturgartengruppe auf FB gründete und diese mit rigoroser Hand führt, so nicht existieren würde. „Bilder von gefüllten Rosen wollen wir hier nicht sehen und Kandelaber Ehrenpreis (aus Nordamerika stammend) oder Schmetterlingsflieder (potentiell invasiv) schon gar nicht.“ Auch Markus Gastl war anfänglich dabei. Soweit mir bekannt ist, trennten sich die Wege der Beiden, weil Barbara nicht bereit war einen Naturgarten den Stempel eines Drei Zonen Gartens aufzudrücken und ihn dadurch zu begrenzen. 

Persönlich habe ich noch sehr viel von ihr gelernt. Vor allem über die innere Gelassenheit, die es mitunter auch mal braucht um der Natur und unseren heimischen Wildpflanzen Zeit und Raum zu geben. Die bekommt man nicht, indem man Geld für eine Plakette bezahlt. Und schon gar nicht durch die relativ geringen Anforderungen im Garten, die mit dem Erhalt so einer Plakette verbunden sind (ausgenommen die Naturgartenprämierung mit versch. Stufen durch NaturGarten e.V.). Wichtig ist jedoch überhaupt etwas zu tun und sich mit dem Thema zu beschäftigen. Der Erhalt einer Plakette beweist das zumindest.

Um das Thema noch mehr Menschen näher zu bringen wäre mein Tipp aber, anstatt einer Plakette (oder zusätzlich zu dieser, wenn man Wert auf sie legt), das Geld in 3 bis 5 gute Bücher zu investieren. Diese schön zu verpacken und mit lieben Worten und der Bitte um Weiterverteilung wenn gelesen, anonym in der Nachbarschaft oder einfach in Dörfern, Siedlungen, Quartieren in Briefkästen zu verteilen. Oder die eigenen, die vielleicht eh im Regal verstauben, weil man sie nicht mehr braucht. Öffentliche Bücherschränke sind auch eine Möglichkeit. So erreicht man sicher auch Menschen, die man sonst nicht erreichen würde. Ohne sie zu sehr zu bedrängen.

Heute existieren einige fantastische Gruppen, die sich der Aufklärung und Hilfestellung verschrieben haben und die Arbeit, die von allen Beteiligten geleistet wurde und von vielen nach wie vor geleistet wird, ist unbezahlbar. Es war wunderbar mit anzusehen, wie aus so manch traurigen Golfplatzrasen bunte Paradiese mit vorwiegend heimischen Stauden wurden. Die Mitgliederzahlen sind stetig gewachsen.  

Anlässlich dieses Artikels habe ich nach langer Zeit mal wieder einen Blick hineingeworfen. Durch immer neue Zugänge herrschen nach wie vor die immer gleichen Diskussionen und Streitereien. Nicht mehr ganz so oft vielleicht, und nicht mehr so langwierig. Meine Bewunderung, vor allen für diejenigen die das seit teilweise über 10 Jahren tun, kann ich kaum in Worten ausdrücken. Sie werden einfach nicht müde immer und immer wieder gebetsmühlenartig aufzuklären und Infos zu geben. Manch einer aus beruflichen Gründen unter Pseudonym, weil man eben auch aneckt. Ohne all diese Menschen (viele haben sich ebenfalls schon zurückgezogen, dafür sind andere nachgerutscht) würde die Naturgartenbewegung, wie sie heute ist, nicht existieren.

Wohl kaum einer würde sich für die „Bayern blüht“ Plakette interessieren. Das Volksbegehren „Artenvielfalt in Bayern“ wäre ohne all die „ehrenamtliche“ Online-Arbeit von Menschen die keinem Verein angehören, dem stetigen teilen und verbreiten und aufrufen zu unterschreiben (sehr oft auch von Menschen aus ganz anderen Bundesländern) nicht annähernd so erfolgreich gewesen.

Administratoren, Moderatoren und Mitglieder leisten täglich und stündlich extrem wertvolle Ehrenamtliche Arbeit für unsere Natur, die öffentlich praktisch nicht erwähnt wird. Deren sich viele der Beteiligten vielleicht gar nicht bewusst sind und manch einer auch gar nicht gern in der Öffentlichkeit stehen möchte. Egal ob in Hummel-, Insekten-, Naturgarten-, Schmetterlings-, Wildbienen- oder Wildvogelgruppen / Foren.

Auch auf Instagram, wo es oft nur um: „Folgst du mir, folge ich dir“ und möglichst viele Likes geht. Wo sich selbst Privatleute Follower und Likes kaufen und gar Werbung für ihre Accounts schalten, wird ein wichtiger Beitrag geleistet.